Besuch aus der Heimat

„The most important thing is, even if we’re apart, I’ll always be with you.“

(A. A. Milne, Winnie the Pooh)

05.05.2019

Eigentlich war gar nicht geplant, dass ich hier in Nepal Besuch bekomme. Umso mehr habe ich mich gefreut, als meine Mutter kurz nach meiner Ankunft hier gesagt hat, dass sie und meine liebe kleine Julla in den Osterferien für acht Tage nach Kathmandu kommen. Die Zeit bis zu ihrer Ankunft verging wie im Flug, und am Samstag, den 20.04. konnte ich die beiden dann endlich vom Flughafen abholen.

Meine Fahrt zum Flughafen war typisch nepali, der Bus stand im Stau und für den Weg, der sonst vielleicht 35 Minuten dauert, habe ich über eine Stunde gebraucht. Das Wiedersehen mit Mama und Julla war einfach nur schön, auch wenn hier alles so super ist, vermisst man die Familie natürlich ab und zu. Nicht einmal die erschreckende Feststellung, dass Julla inzwischen tatsächlich ein kleines bisschen größer ist als ich, konnte meine Freude trüben. Mit dem Taxi ging es durch Kathmandu zu ihrer Unterkunft, ein süßes Airbnb bei Swayambhu, der Kagyü-Stupa, die ich auch ziemlich gerne mag. Wir sind auch direkt noch hoch zur Stupa.

(Julla und ich bei Swayambhu)

Am Sonntag bin ich morgens direkt nach dem Schulbus los zu den beiden. Nachmittags waren wir das erste Mal im Neuen Haus bei den Kids, die auch alle ziemlich geschockt über Jullas Größe waren😂. Leider hat das Wetter die ganze Woche lang nicht 100%ig mitgespielt, es hat oftmals mittags oder nachmittags angefangen zu regnen :/.

Am Montag bin ich sogar noch früher, direkt nach dem Frühstück gefahren, um die beiden abzuholen. Wir haben zusammen Boudha besucht, die größte Stupa Nepals und auch eine der größten Stupas der Welt. Die Stimmung dort ist ganz anders als bei Swayambhu, es sind weniger Mensch dort und um die Stupa rum sind viele kleine Läden, die tibetische Handwerksarbeiten und buddhistische Gegenstände verkaufen, und außerdem auch einige Klöster. Obwohl es wieder anfing zu regnen, waren wir noch bei Pashupatina, eigentlich eine heilige hinduistische Stätte, wo die Hindus ihre Toten verbrennen. Am Rand von Pashupatina befinden sich allerdings die Meditationskäfige von Tilopa und Naropa, auch ein besonderer buddhistischer Ort. Für viele wird das jetzt ziemlich albern klingen, aber wenn man dort ist spürt man tatsächlich eine ganz besondere Schwingung und die Käfige wurden sogar extra für uns geöffnet, damit wir das Innere besser betrachten konnten.

(Wir 3 bei Boudha)
(Mamaliebe❤️)
(kaum vorstellbar, dass jemand hier drin 30 Jahre meditierte)

Die Busfahrt zurück war glaube ich eine ziemliche Probe für meine Familie, ich bin das Busfahren hier gewohnt, aber es ist natürlich ein einziges Verkehrschaos und die Luft ist auf der Ringroad wirklich nicht gut…

Ab Dienstag habe ich bei meiner Mama und Julla gewohnt, damit wir auch abends noch mehr Zeit verbringen konnten. Wir waren in Patan, der buddhistischen Königsstadt, wo wir ziemlich viel durch die kleinen verwinkelten Straßen gelaufen sind und so einen Einblick in das Alltagsleben erhalten haben, und in Thamel. Leider habe ich mir am Montag den Magen mit Rajma verdorben, hier kann man echt nie wissen, ob man das Essen verträgt oder nicht… Statt meinen Magen zu schonen habe ich dann auch noch im Places Pommes mit Bananenketchup (so so so lecker!!) und Pesto-Mo:Mo gegessen (auch nice), was meinem Magen aber auch nicht gut getan hat. Deswegen lag ich den Rest des Tages mit Krämpfen im Bett :(.

Außerdem haben wir in der Woche, die die beiden hier waren, den Garden of Dreams besucht (sehr schön, aber irgendwie nicht den Eintritt wert, fand ich), waren nochmal bei Boudha und Swayambhu ( wo Julla so schlau war, einen Fruchtriegel auszupacken, der dann einem der vielen Affen, die dort oben leben, gehörte😂), wir haben buddhistische Klöster besucht und waren in Thamel und Ason unterwegs. Spannend wars am Mittwoch, da hat hier nämlich morgens die Erde gebebt. Ein Erdbeben der Stärke 5.2, das Epizentrum 28km von Kathmandu entfernt. Irgendwie ist es absurd, morgens aufzuwachen, weil der Boden wackelt. Das kann man sich in Deutschland ja gar nicht vorstellen, hier ist es aber völlig normal. Seit dem schweren Erdbeben 2015 gab es in Nepal mehr als 44000 Nachbeben. Die Menschen hier sind das gewohnt. Das Leben hier läuft wie gewohnt weiter, auch wenn ein Erdbeben wie 2015 jederzeit wieder passieren kann.

In Thamel haben die beiden sich Andenken besorgt und natürlich durfte auch ein Besuch im Phat Kath nicht fehlen (nein, ich habe keine unhealthy obsession😂😅). Besonders schön war es, die Klöster Shar Minub Ling und Lopon Tsechu Monastery zu besuchen, beides Kagyu-Klöster mit Stupas zum Gedenken an wichtige buddhistische Lehrer. Die Besuche dort haben vor allem meiner Mama viel bedeutet, was für mich super schön zu sehen war. Als wir auf dem Rückweg vom Shar Minub Ling Kloster ein bisschen den Hügel runtergelaufen sind, kam ein Microbus an uns vorbei und ich dachte, es wäre eine gute Idee, die beiden in den völlig überfüllten Micro zu quetschen… Mama, es tut mir immer noch leid für dich und deinen Rücken, aber zumindest hast du die Erfahrung gemacht😂😅. Während des Besuchs bei der Lopon Tsechu Monastery wurden wir nur leider von einem monsunartigen Regenfall mit Gewitter überrascht, sodass wir erstmal dort abwarten mussten, bis der Regen sich legte, bevor wir wieder in die Wohnung fahren konnten.

Natürlich waren wir auch nochmal bei den Kindern, die dachten, Julla wäre eine neue Aunty. Ajit fragte mich, wie alt sie sei. Auf meine Antwort „Twelve“ kam von ihm ein ungläubiges „Aunty, you lie“😂. Wir haben auch Aashish und Julla nebeneinander gestellt, beide 12, nur dass Aashish Julla ungefähr bis zur Hüfte geht😂. Wir haben Lollis verteilt, die Mama extra mitgebracht hat, das war natürlich ein Highlight für die Kleinen. Julla wurde auch sofort von der kleinen Devi beschlagnahmt, ich habe ja die leise Hoffnung, dass sie eventuell auch mal ins Haus der Hoffnung geht🙈😋.

Abends haben wir viel zusammen gespielt, meine Mama ist abnormal gut in Wer Bin Ich, das hat schon fast keinen Spaß mehr gemacht😂, oder zusammen gesessen und geredet, wir hatten ja alle viel zu erzählen aus den letzten zwei Monaten🙈.

Eine Sache ist mir durch ihren Besuch aufgefallen: wie sehr ich mich hier in Nepal eingelebt habe und wie normal alles, was hier so abgeht, für mich ist. Staub und schlechte Luft, Verkehrschaos, durch das man als Fußgänger einfach durchlaufen muss, Magenprobleme etc.

Vor allem meiner Mama hat das alles ein paar mehr Probleme gemacht (sie nannte es selbst „europäische Warmduscher-Mentalität“ und ich finde, irgendwie passt das schon😂😅). Aber auch das hat sich in den paar Tagen geändert. Ich war am Ende super glücklich darüber, dass sie meinte, der Besuch hätte ihren Horizont erweitert und Dinge relativiert. Inzwischen sagt sie, sie sehnt sich zurück☺️. Meine kleine Julli war super cool mit allem, wie ein Fisch im Wasser ist sie durch Kathmandu gelaufen und hat am letzten Tag gesagt, dass sie auf jeden Fall nochmal herkommen möchte. Sowas lässt macht das große-Schwester-Herz ziemlich stolz😊.

Ich könnte nicht sagen, welcher Tag der schönste war, oder welche Aktion die schönste war. Die Zeit war für mich zwar teilweise anstrengend, weil ich versucht habe, mir so viel Programm wie möglich auszudenken, außerdem bin ich am Anfang auch ein bisschen mit der „europäischen Warmduscher-Mentalität“ (😂) angeeckt, weil ich für die Ängste meiner Mutter irgendwie weniger Verständnis aufbringen konnte, als es angebracht gewesen wäre… Trotzdem habe ich jeden Moment genossen. Mir hat es wirklich viel bedeutet, meiner Familie zu zeigen, wie ich hier lebe, was ich mache und wie mein Kathmandu so ist☺️. Es war eine super schöne und lustige Zeit, ich hab die beiden so so so lieb❤️.

Am Sonntag musste ich mich leider wieder von ihnen verabschieden und sie ins (verspätete) Flugzeug steigen lassen. Auf beiden Seiten flossen Tränen, aber wir sehen und ja bald wieder❤️. Ich bin dann, natürlich mit dem Bus😋, und den Mitbringseln meiner Mutter aus Deutschland (Schokolade, Mandelmus, Babyriegel, 1,2kg Nutella – essentials eben😂) zurück ins Apartment gefahren, um den Alltag wieder einkehren zu lassen.

Mama & Julli, tausend Dank dass ihr hier ward, danke für die tolle Zeit und dass ihr solche Strapazen auf euch genommen habt, um das Ausreißerkind zu besuchen. Ich liebe euch❤️

Noch mehr Fotos aus der Woche:

(I’m Himalayan Java bei Boudha)
(Stupas in der Nähe von Boudha)
(Mama bei den Meditation-Caves)
(Goldene Stupa im Shar Minub Ling Kloster)
(wie wird eigentlich in Nepal Wäsche getrocknet?)
(der Garden of Dreams)
(Mama und ich in Garden of Dreams❤️)
(der Phat Kath Besuch hat sich gelohnt😋)

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