Die anstrengendsten Ferien meines Lebens

„Please excuse the mess. The kids are making memories.“

(Unknown)

24.04.2019

Wie schon im letzten Blogpost erwähnt, hatten die Kids die letzten zweieinhalb Wochen über Ferien. Für uns Volunteers hieß das zweieinhalb Wochen Ferienbetreuung, den kompletten Tag mit den Kids verbringen, ohne die angenehmen sechs Stunden Pause, während derer die Kids in der Schule sind. Wir haben im Vorfeld schon einiges für die Ferien geplant gehabt, allerdings mussten wir trotzdem oft unsere Pläne ändern und improvisieren… Ich werde versuchen, das wichtigste so chronologisch und kurz wie möglich zu erzählen.

Die Ferien fingen am 02.04. an. Für die ersten Tage haben wir das freie Spiel einem Programm vorgezogen, damit die Kinder entspannt in die Ferien starten und nach den anstrengenden Exams-Wochen auch einfach mal machen konnten, worauf sie Lust hatten. Das war vor allem Fußball, Caron-Board (ich weiß nicht genau, ob dieses Spiel bei uns auch bekannt ist), oder Balancieren auf der Slackline (was teilweise aussah wie im Affenkäfig und leider wurden auch trotz mehrfachen Verboten immer wieder Schaukeln aus dem Ende der Slackline gebaut…) Am Anfang der Ferien war ja auch mein Geburtstag, über den ich schon einzeln berichtet habe. Am 04.04. haben wir abends eine Party für die Kids veranstaltet, mit Musik, Tanz und Fanta für alle. Für das erste Ferienwochenende haben wir ein großes Fußball-Turnier geplant. Wir haben es „Football World Championship“ genannt, extra einen Kunstrasenplatz mit zwei Feldern gemietet, die Mannschaften verschiedenen Ländern zugeordnet (Frankreich, Deutschland, Brasilien, Portugal, Spanien, Argentinien, Uruguay und Italien) und wir Volunteers haben jede ein Team „gecoached“. Mein Team war Team Frankreich🇨🇵❤️. Den Samstag haben wir damit verbracht, die Teams bekannt zu geben, Flaggen zu basteln, uns Sprüche auszudenken (East to West, France is the best xD) und nachmittags zu trainieren. Leider hatten wir nämlich am Vormittag schlechtes Wetter mit Regen, ein Problem, was sich leider durch die Ferien zog… Am Sonntag ging es dann auf den Fußballplatz, mit den Teams und natürlich den Fans, die Mädels, welche nicht mitspielen wollten. Die liebe Tabea hat samstags und sonntags super viel gefilmt und im Laufe der Woche dann ein Video zusammen geschnitten, deswegen sind wir sogar richtig mit unseren Teams eingelaufen und haben Mannschaftsfotos gemacht. Es gab Viertelfinals, Halbfinals und am Ende natürlich das Spiel um den dritten Platz und das große Finale. Mein Team Frankreich hat sich super geschlagen und nach einem spannenden Finale mit Elfmeterschießen einen grandiosen zweiten Platz gemacht. Ich habe glaube ich noch nie ein Team so sehr unterstützt wie meine Franzosen, obwohl ich Halsschmerzen und keine gute Stimme hatte habe ich gefühlt die ganze Zeit rumgeschrien und mein Team angefeuert😂❤️. Den Kids hat es auch super viel Spaß gemacht, kaum jemand hat sich beschwert und es wurde fair gespielt. Ganz viel Hilfe haben wir von den Nepali Volunteers bekommen, ohne die das Meiste nicht funktionieren würde.. Die „Weltmeisterschaft“ war auf jeden Fall ein voller Erfolg!

Am Tag darauf gab es eine große Siegerehrung, alle haben eine Urkunde bekommen, die Plätze 1-3 dazu noch Süßigkeiten, und natürlich gab es auch einen selbst gebastelten Pokal für den Weltmeister Spanien.

Die Woche danach war ein bisschen chaotisch und voll von Improvisationen und Planänderungen. Wir hatten eigentlich geplant, die Kids in Gruppen einzuteilen und jeden Tag verschiedene Workshops mit ihnen zu machen, die wir Volunteers vorbereitet haben. Es gab z. B. Tanzen mit Lenja, Handicraft mit Tabea und Hanna, Kochen mit Helena, Ballspiele mit Toni oder Schauspiel mit mir, aber das war alles schwerer durchzuführen als gedacht. Das lag zum Einen daran, dass das Wetter für April in Nepal wirklich oft schlecht war, es hat teilweise jeden Tag geregnet und gewittert, wodurch Aktivitäten Draußen ausfallen mussten, zum Anderen hatten die Kids auch teilweise keine Lust auf unsere Angebote und wollten lieber frei spielen. Dazu kam, dass wir Volunteers alle krank oder zumindest angeschlagen waren. Ein paar Tage lang lag fast das gesamte Sechserzimmer mit Magenproblemen flach, der Rest von uns war erkältet. Ich war Teil der Erkältungsfraktion und musste leider auch einen Tag lang komplett im Apartment bleiben, weil durch das konsequente Nicht-Schonen zu meinem Schnupfen und Husten (den ich immer noch mit mir rumschleppe🙄) auch noch Fieber dazu kam… Viele der Kids waren auch erkältet, ich weiß also genau, woher ich meinen Husten habe… 😂. Der Bastel-Workshop hat am besten funktioniert, wir haben Osterhasen aus Klopapierrollen gebastelt, um sie an Ostern für die Kids zu verstecken. Eine andere Aktion, die wir geplant hatten, war ein Parcours im Hof des Neuen Hauses. Die größte Schwierigkeit ist aber immer, alle 100 Kinder dazu zu bekommen das zu machen, was sie machen sollen… Es ist halt teilweise eine Chaostruppe😂.

Am 14.04. unserer Kalenderrechnung war nepalesisches Neujahr. Wir haben das neue Jahr 2076 mit einem Lagerfeuer und Popcorn gefeiert. Aber allgemein gibt es hier keine großen Feierlichkeiten zu Neujahr, die Nepalesen haben nämlich 4 Mal Neujahr😂. Es gibt das Neujahr im Kalender, immer ungefähr im April, unser Neujahr, was hier das ökonomische Neujahr ist, das buddhistische Neujahr im Januar/Februar und Dassain, das Familienfest, welches für die Newari, also die ursprünglichen Bewohner des Kathmandu-Tals, auch den Beginn eines neuen Jahres symbolisiert. (kleine Landeskunde am Rande😋)

Ein weiteres Highlight der Ferien war der Besuch im Funpark, auf den sich die Kids schon seit Wochen gefreut hatten. Letzten Montag war es endlich soweit, mit drei Bussen sind alle Kinder, Volunteers und Nepalis zum Funpark gefahren, ein Freizeitpark mitten in Kathmandu. Dort gibt es Achterbahnen, ein Riesenrad, eine Schiffsschaukel, verschiedene Karussells, Essen, Wurfstände und was es sonst noch so in Freizeitparks gibt. Wir haben die Kids in Gruppen eingeteilt, die jeweils von ein oder zwei deutschen und ein oder zwei nepalesischen Volunteers (damit sind die ehemaligen Heimkinder, die jetzt aufs College gehen gemeint) betreut wurden. Hanna und ich hatten eine Gruppe mit elf Jungs, worüber wir uns erst gefreut haben, was dann aber doch ziemlich anstrengend war. Teilweise waren nur noch zwei Jungs bei uns und wir mussten den Rest suchen, teilweise war ich mit acht Jungs alleine, weil Hanna die anderen gesucht hat, und unsere Nepalis waren die meiste Zeit auch nicht da… Zudem hat es irgendwann wieder angefangen zu regnen, sodass wir nass und ziemlich kaputt mit Kopfschmerzen wieder am Bus ankamen. Den Kids hat der Tag aber Spaß gemacht und das ist die Hauptsache!

Am Dienstag war ein trauriger Tag, die neuen Achtklässler sind nämlich ins Alte Haus gezogen. Das heißt, dass ich ab jetzt nicht mehr mit Bimal lernen kann und dass ich einige der Kids, mit denen ich mit am meisten zu tun hatte, nicht mehr so viel sehe :(. Ich habe von Bimal einen unglaublich süßen Brief bekommen (I will miss you and I will never forget you), ich hab ihn einfach total lieb. Noch ein trauriger Tag in den Ferien war der Dienstag davor, weil Sujal das Heim verlassen hat. Sein Vater hat einen neuen Job und konnte deswegen seinen Sohn wieder aus dem Heim nehmen. Das war weder für Sujal, der die letzten acht Jahre im Heim gelebt hat, noch für uns, die ihn alle ins Herz geschlossen haben, einfach. Mir stellt sich die Frage, wie ich hier jemals wieder weg soll, wenn mir schon der Abschied von einem Kind so schwer fällt… Aber daran denke ich jetzt noch nicht.

Alles in allem waren die Ferien zwar super anstrengend, weil wir natürlich kaum mehr Freizeit hatten und teilweise 11 Stunden am Tag mit den Kids verbracht haben, aber auch super schön. Die Kinder haben die Ferien genossen und wir hatten Zeit, sie noch besser kennen zu lernen und viel mit ihnen zu spielen. Die Abende hatten wir für uns und wenn wir nicht zu müde waren haben wir auch mal zusammen im Garten gechillt oder Hanna und ich hatten unsere Dates bei der guten Aussicht (ein Platz der mich übrigens total an Stuggi erinnert💕). Wir Mädels sind ein gutes Team und konnten uns auch mal gegenseitig entlasten. Ich merke wirklich, dass ich über die Ferien noch mehr mit den Kids zusammen gewachsen bin und trotz Stress, Improvisation und Anstrengung habe auch ich die Zeit sehr genossen❤️.

Ein typischer Nepal-Moment zum Ferienende: gestern war der erste Schultag nach den Ferien. Wir haben uns alle darauf gefreut, den freien Vormittag zu haben und schon Dinge geplant, die in den Ferien durch die wenige Freizeit zu kurz kamen. Morgens um 6:30 in der Studytime kam dann die Info, dass es einen Streik gibt und deswegen die Schule ausfällt… Das war ziemlich frustrierend, aber Dank einem Spontanprogramm mit verschiedenen Spielen wie Faules Ei oder Karottenziehen, Fußball und natürlich auch Freispiel wurde es trotzdem noch ein guter Tag.

Noch ein paar Fotos, um die Ferien zusammen zu fassen:

(Proud coach and my Team France🇫🇷❤️)
(Vor dem großen Finale)
(Slackline oder Hühnerstange?)
(Hari Devi Didi hilft Sushil auf der Slackline)
(Die Kids stehen total auf dieses Eis)
(Ich helfe Aayusha – meine Schuh&Sockenkombi ist on fleek)
(with ma boy Arun)
(unser Lagerfeuer – Happy Nepali New Year 2076!)
(unsere Chaos Gruppe für den Funpark)
(Posen wie die Profis)
(nach dem Funpark waren alle sehr müde – Devi)
(Niraj der auf Helena Arm Sabber)
(mit meinem ersten Studykid, Abishek)
(Aayusha hat mich lieb deswegen hab ich viele Fotos von uns)
(Uday, Safic, Subendra)

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